Covid-19 hat die Kluft vergrössert – Wieso die Pandemie den digitalen Wandel in Unternehmen antreibt

Im Gespräch mit der Handelszeitung zeigt Ivo Blohm, Assistenzprofessor für Data Science und Management an der Universität St. Gallen, was er im Rahmen seines aktuellen Forschungsprojekts herausgefunden hat. Dieses untersucht, wie die digitale Transformation als Folge der weltweiten Covid-Pandemie fortgeschritten ist. Er geht dabei auch auf die Herausforderungen für Mitarbeitende und Führungskräfte ein. Letztere lernen im Rahmen von Weiterbildungen wie dem Executive MBA HSG in Business Engineering, wie sie mit Herausforderungen im Kontext von Transformationsprozessen umgehen können.

Herr Prof. Blohm, Sie haben in ihrer Forschung untersucht, wie Unternehmen mit der COVID-19 Pandemie umgehen?

Wir begleiten derzeit 13 Unternehmen, um zu untersuchen, wie Unternehmen gestärkt aus der COVID-19-Pandemie hervorgehen können und sich für das „new normal“ rüsten. Wir haben den Stand der Digitalisierung vor dem Lockdown Anfang 2020 erhoben und schauen uns nun an, welche Veränderungsprozesse in den Unternehmen angestossen wurden, um sich für die Zukunft aufzustellen.

Wie sieht denn das „new normal“ aus?

Die beste Metapher, die wir gefunden haben, ist das Bild der „Low Touch Economy“. Vordergründig beschreibt es das Neugestalten von Dienstleistungen, Produkten oder Unternehmensprozessen, um den veränderten gesundheitlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, z.B. die Reduktion der direkten Interaktionen von Kunden und Mitarbeitern. Es zeichnet sich aber ab, dass viele der Einschränkungen der letzten Monate die Verhaltensweisen und Einstellungen von uns allen langfristig verändert haben. Dadurch ergeben sich viele nachgelagerte Effekte und Auswirkungen für Unternehmen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht so offensichtlich sind. Zum Beispiel haben wir gesehen, dass Dezentralisierung von Arbeitsprozessen oder Kundeninteraktionen eine direkte Folge sind. Unternehmen müssen intern wie extern deutlich mehr Kommunikations- und Interaktionskanäle unterhalten, um Mitarbeiter oder Kunden zu integrieren und zu erreichen. Das Aufbauen solcher Plattformen ist für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung und zieht viele nachgelagerte Effekte sich, z.B., Aufbau der entsprechenden IT-Infrastruktur, die Integration der unterschiedlichen Lösungen, sichere Datenhaltung, etc.

Wie rüsten sich Unternehmen dafür?

Durch COVID-19 und den Lockdown haben viele Unternehmen erstmals darüber nachgedacht, wie sie sich für eine digitale Welt überhaupt positionieren wollen. Wir haben gesehen, dass die Unternehmen, die bislang besser durch die Pandemie gekommen sind, umfangreiche Transformationsprozesse gestartet haben. Betagte Strukturen, Prozesse und Entscheidungswege – Stichwort: Das haben wir schon immer so gemacht – wurden auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt. Erfolgreiche Unternehmen haben angefangen ihre digitalen Kompetenzen auszubauen und ihre Unternehmen systematisch strukturell neu auszurichten. Diese Unternehmen sind jetzt agiler und digitaler als vor der Pandemie – ohne dass die Produktivität gelitten hätte. Eine der befragten CIOs meinte sogar, dass sie in drei Monaten Pandemie weitergekommen sind, als in drei Jahren digitaler Transformation davor. Unternehmen, die vor der Pandemie schon mit diesem Transformationsprozess begonnen haben, konnten oftmals ihre Positionen im Markt gegenüber ihrer Konkurrenz stärken. In gewisser Weise hat COVID-19 die Kluft zwischen den digitalen Pionieren und Nachzüglern vergrössert.

Was bedeutet dies für Unternehmen?

Ich denke, das Wichtigste für Unternehmen ist, dass der begonnene Transformationsprozess auch jetzt weiterverfolgt wird. Wir haben einige Unternehmen beobachtet, die nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 einfach wieder in den gleichen Modus wie vor der Pandemie geschaltet haben. Wir sehen, dass diese Unternehmen zunehmend ins Hintertreffen geraten und drohen abgehängt werden. Die neue Digitalisierungswelle bietet für Unternehmen, die Chance viele Geschäfts- und Arbeitsprozesse deutlich schlanker zu gestalten. Derzeit sehen wir das nach einer Verschlankung und Digitalisierung ihrer Prozesse und Arbeitsweisen zunehmend auf Automatisierung setzen. Mit digitalen Lösungen lassen sich Daten im grossen Stil generieren die dann mit Technologien wie Künstliche Intelligenz und Robotic Process Automation nutzbar gemacht werden können.

Wir haben gesehen, dass das Wissen und die Fähigkeiten von Mitarbeitern essenziell bei diesen Prozessen sind. Unternehmen, die es geschafft haben, ihre Mitarbeiter schnell fit für die neue digitale Welt zu machen, sind besonders gut durch die Pandemie gekommen. In einem MBA-Programm können Fach- und Führungskräfte die notwendigen Skills erlernen den Wandel zu managen. Auch das Absolvieren von spezifischeren Programmen stellt hier einen wichtigen Baustein dar, mit denen Executives die Digitalen Transformation ihrer Unternehmen vorantreiben können. Zum Beispiel den CAS Big Data and AI for Managers, bei dem wir Executives befähigen, einen Schritt weiter zu gehen und daten-getriebene Organisationen aufzubauen.

Ivo Blohm - der Forscher zur Digitalisierung

Name: Ivo Blohm
Funktion: Assistenzprofessor für Data Science und Management, HSG, Dozent EMBA HSG in Business Engineering und CAS Big Data & AI
Alter: 38
Wohnort: St. Gallen
Familie: verheiratet, zwei Kinder
Ausbildung: Studium und Promotion, TU München, Habilitation an der Universität St. Gallen

Die digitale Transformation meistern

Der Executive MBA HSG in Business Engineering unterstützt Führungskräfte dabei, zur Leaderin resp. zum Leader in der Unternehmenstransformation zu werden. Das berufsbegleitende EMBA-Programm besteht aus 14 Modulen im In- und Ausland und vermittelt praxisrelevante Inhalte unterstützt durch topaktuelle Einblicke aus der Forschung.

Möchten Sie mehr über den «EMBE» - die Kurzform für Executive MBA in Business Engineering – erfahren, verschaffen Sie sich über unsere Webseite einen genaueren Einblick. Alle Informationen kompakt zusammengefasst finden Sie zudem in unserer Broschüre.

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