„Everyone becomes a Manager“: Was KI-Führung heute wirklich bedeutet

Prof. Dr. Falk Uebernickel, Dozent im Executive MBA HSG in Business Engineering im Modul „Agile Work & Human-Centered Design“, über die häufigsten Fehler bei der KI-Integration, die Bedeutung von AI Agency und warum Europa mehr Mut braucht.

KI verändert unsere Arbeit schneller, als Organisationen ihre Strukturen anpassen können. Das war die zentrale Erkenntnis der jüngsten Modulwoche Agile Work & Human-Centered Design im Executive MBA HSG in Business Engineering. Im Anschluss haben wir Prof. Dr. Falk Uebernickel gefragt, was das konkret für Führungskräfte bedeutet.

Der häufigste Fehler: zu wenig in Menschen investieren

Wer KI in Organisationen einführt, denkt oft zuerst an Technologie. Uebernickel hält dagegen: Nur 10 Prozent einer transformativen Veränderung ist Technologie. 70 Prozent sind Menschen und Organisationskultur. Der häufigste Fehler, den er beobachtet: Unternehmen investieren zu wenig in die AI Agency ihrer Mitarbeitenden.

Damit ist nicht profanes Prompt-Engineering gemeint. Gemeint ist, dass Mitarbeitende an konkreten, sofort nützlichen Use-Cases erleben, wie KI eingesetzt wird – mit sämtlichen Stärken und Schwächen. Der initiale Aufwand zahlt sich bereits nach zwei bis drei Monaten mit spürbaren Verbesserungen zurück.

Neue Kompetenzen, aber kein Bruch mit dem Grundlegenden

Die grundlegenden Führungskompetenzen verändern sich laut Uebernickel weniger, als viele vermuten. Was sich verändert, ist die Tiefe, mit der Führungskräfte neue Technologien verstehen müssen. Oberflächliches Wissen reicht nicht. Wer das Potenzial von KI nicht erkennt, kann es weder als Vision kommunizieren noch strategisch nutzen. Und: Transformationsskills sind wichtiger denn je. Mitarbeitende müssen mitgenommen werden.

Führung im KI-Zeitalter: kognitiv anspruchsvoller, breiter, agentischer

Uebernickel erwartet, dass sich Führungsspannen und Hierarchiepyramiden in Organisationen deutlich verschlanken werden. Gleichzeitig wird die Informationsdichte zunehmen. Führungskräfte müssen kognitiv noch mehr verarbeiten können als heute.

Seine pointierte These dazu: „Everyone becomes a Manager.“ Weil wir künftig alle von agentischen KI-Schwärmen umgeben sein werden, muss jede Führungskraft Aufgaben präzise herunterbrechen und zuweisen können – nicht nur an Menschen, sondern an Maschinen.

Was Organisationen jetzt strukturell brauchen

Kurzfristig brauchen Organisationen neue Rollen rund um AI Governance: AI Engineers, AI Auditors, Kollaborationsdesigner für Mensch-Maschine-Schnittstellen. Parallel muss die alltägliche Nutzung von KI in administrativen Prozessen steigen, um mittelfristig Produktivitätspotenziale tatsächlich zu realisieren.

Ein Appell an Europa

Die grösste Bremse sieht Uebernickel nicht in fehlenden Technologien, sondern in Haltungen. In Europa beobachtet er zu viel Skepsis und Angst. Seine Sorge: Wenn es nicht gelingt, diese Bremse zu lösen, fällt Europa weiter ins Hintertreffen gegenüber anderen Wirtschaftsnationen. Was er sich wünscht, ist Mut und Begeisterung. Elan.

Fragen wie diese – wie verändert KI Führung, Organisationsdesign und Operating Models? – sind fester Bestandteil des Curriculums im Executive MBA HSG in Business Engineering. Das Programm befähigt erfahrene Führungskräfte, tiefgreifende Transformationsvorhaben nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu gestalten und umzusetzen.

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